‘A NATION STAYS ALIVE WHEN IT'S CULTURE STAYS ALIVE.'
Das einzigartige historische Erbe einer reichen und vielfältigen Kultur zu bewahren, zu schützen und der afghanischen Nation wiederzugeben ist das Thema des neuen National Museum in Kabul. Das Grundstück liegt im direkten Gegenüber des vielfältig bedeutsamen Darul Aman Palastes. Ein Dialog zweier Landmarken, als Symbol einer lebendigen Geschichte des Landes. Hier entsteht ein lebendiger Ort, ein gelebtes Gedächtnis einer Nation, eine Identifikation mit dem Selbstverständnis einer kulturellen Identität - ein Forum. Der Baustein des neuen Museums bildet ein Fundament, um Tradition mit Gegenwart zu vernetzen, um in einem Rahmen die kulturelle Vielfalt in einem Ganzen zusammenzusetzen.

Ein lebendiges Stück Stadt entsteht, linear aufgebaut und sukzessiv erweiterbar. Eine Raumfolge als Fügung einzelner Bausteine positioniert sich mäandrierend. Dazwischen bilden sich Straßen und Plätze, Bewegungs- und Aufenthaltsräume.
Ein Wechselspiel aus geschlossenen und offenen Räumen erwächst auf einer zusammenfassenden Plattform, gleich einem sichtbaren Fundament.
In Verlängerung der Mittelachse des Darul Aman Palastes positioniert sich der neue Zugang auf das Museumsgrundstück. Zwischen dem bestehenden alten Museum und dem Neubau spannt sich der Raum des Eingangsplatz auf. Ein außenliegendes Foyer auf der Plattform als Auftakt einer Raumfolge. An dieser strategischen Stelle verknüpfen sich durch die verschiedenen Blickbeziehungen die Bedeutungen der umgebenden historischen Gebäude.

Der Weg führt ins Innere des Gebäudes in die kommunikative Mitte. Von hier aus werden die Bibliothek und das Auditorium erschlossen, die Bereiche, die einer intellektuellen Auseinandersetzung dienen. Ein Cafébereich fungiert als Schwelle zu dem eigentlichen Bereich der Ausstellung, den man an dieser Stelle betritt. Vier Museumshäuser gruppieren sich über zwei Geschosse um einen offenen Innenhof und werden windmühlenartig erschlossen. Diese Kuben rahmen auf ganz unterschiedliche Art die Ausstellungsobjekte. Verschiedenartige Raumportionen von der Halle bis zum Kabinett ermöglichen unterschiedliche Ausstellungskonzepte in verschiedenen Lichtsituationen  

Der mäandrierende Museumsweg führt den Besucher entlang der verschiedenen Plätze vom Eingang bis in die Museumshäuser und wieder zurück. Ein geradliniger Weg längs der Anlage ermöglicht den direkten Blickbezug zurück zum Darul Aman Palast. Die verschiedenen Innenräume, Hof, Halle und Eingangsplatz werden visuell miteinander verbunden. Der Werkstatt- und Depotbaukörper schließt das Gebäudeensemble nach Norden hin ab. Sämtliche Depot- und Technikflächen (plant room) befinden sich im Basement. Zwei abgesenkte Innenhöfe belichten die Werkstattbereiche für Restaurierung und für Ausstellungsvorbereitungen.

Der zweite bauliche Abschnitt ist gedacht als eine Ergänzung im Leerraum zwischen erstem Museumskörper und Werkstattriegel auf der bereits vorhandenen Plattform. Bei Bedarf wird die bauliche Struktur verdichtet, um die geforderten Flächen zu ermöglichen. Das gesamte Museum wächst vergleichbar mit einer Stadt. Im ersten Schritt dient dieser leere Raum als offener Ausstellungs- und Skulpturenhof in direkter Anbindung zu dem Erschließungsbereich des Museums.

Das neue Gebäudeensemble des National Museum stellt sich in einer differenzierten massiven Kubatur dar. Eine offene fließende Raumfolge formuliert sich im inneren Zwischenraum. Gezielte Ein- und Ausblicke lassen das Außen wahrnehmbar werden und verankern den Raum im Innern. Ein lebendiges Museum entsteht.

In einzelne Wände werden verschieden proportionierte Vitrinen bündig integriert und erscheinen wie ausgestanzte Fenster in den Hausfassaden. Ein  Dialog von Raum und Ausstellungsobjekt entsteht. In vielfältiger Weise wird es ermöglicht, dass die Ausstellungsobjekte sich in unterschiedlichen Raum- und Lichtsituationen darstellen können. Die äußeren Fassadenflächen bekommen eine dreidimensionale Reliefschalung in Stampfbeton, ein abstraktes Wand-Ornament als Licht und Schattenspiel. Die Innenwandflächen werden mit einem glatten Lehmputz versehen. Damit wird die volumetrische Wirkung der einzelnen Gebäudeteile, als eine aus dem Boden wachsende erdfarbene Kubatur unterstützt.

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National Museum of Afghanistan
Kabul


Internationaler Wettbewerb 2012
mit Architekturbüro Ozod-Seradj, Kabul/Köln
Auftraggeber:
Islamic Republic of Afghanistan
Ministry of Information and Culture
Embassy of the United States of America